Mord im Pfefferkuchenhaus

 

 

 
Vorwort
 
 
Bis zu meiner Einschulung besaßen nur wenige Leute einen Fernseher. Wir gehörten nicht zu diesen Auserwählten. Computer oder Nitendo gab es noch nicht. Bevor ihr mich jetzt bedauert – wir hatten dafür für andere Sachen viel mehr Zeit als ihr heute. Bei schlechtem Wetter hämmerten wir nicht auf einer Tastatur herum, sondern bastelten, malten oder lasen.
 
Wir lernten sehr schnell kochen und backen. Damit meine ich nicht Dose aufmachen, in die Glasschüssel kippen, ab in die Mikrowelle auf Nummer 2 und fertig sind die Erbsen, also diese grünen runden Dinger, die heute nach nichts schmecken. Unsere Erbsen benötigten etwas länger, denn sie mussten erst geputzt und herausgepult werden. Und auf unserem ganz einfachen Gasherd kochten sie auch erheblich länger. Nur brauchte ich nicht hinzusehen, um zu wissen, was ich esse. Das waren die kleinen grünen runden Dinger, die unverkennbar nach Erbsen rochen und die wir mit etwas Butter, einer Prise Salz und Pfeffer plus einem Hauch Majoran, Bohnenkraut und Kerbel auch ganz ohne andere Beilagen genüsslich verspeisten. Wir schlugen auch in keinem Biologiebuch nach, um zu erfahren, dass es sich bei Erbsen um eine Hülsenfrucht handelt. Diese Weisheit erlangten wir mit mehr oder weniger Begeisterung beim Pulen.
 
Mein jüngerer Bruder platzte fast vor Stolz, als er mit knapp fünf Jahren sein erstes komplettes Mittagessen auf den Tisch zauberte. Da störte es kaum, dass er vergaß, die Salzkartoffeln zu waschen und wir erst die Schmutzbeilage entfernen mussten. War nicht so schlimm, der Schmuddel schwamm keimfrei oben, denn in seiner Unkenntnis von Garzeiten ließ er sie eh zu lange kücheln.
 
Beim Backen schütteten wir keine Fertigkuchenteigmischung in die Küchenmaschine  und kippten eine Tasse Wasser hinterher. Unzählige Zutaten gehörten in den Teig, da wurde mal dies oder mal jenes Gewürz ausprobiert, gekostet, noch ein bisschen Zucker, gekostet, vielleicht noch ein bisschen Zimt, gekostet und eigenartigerweise blieb noch genug Teig für einen Kuchen übrig trotz aller Nascherei. Weihnachtsplätzchen arteten zu einer Backolympiade aus. Kein Plätzchen durfte aussehen wie das andere und möglichst sollte jedes auch anders schmecken. Der Weihnachtsmann kündigte sich bei uns nicht ab Anfang Oktober durch die schrille Lichtreklame an oder die ewig geduddelten Weihnachtslieder aus den Mikrofonen der Geschäfte, die man dann zu Weihnachten schon fast nicht mehr hören will. Wenn in meiner Kindheit alle Straßen und Häuser intensiv nach den unterschiedlichsten, raffiniertesten Plätzchen dufteten, „hast du dir die Hände gewaschen?“, „na klar“, „Selbstverständlich“, „aber natürlich, Mama“ und wir uns den letzten Plätzchenteig abends im Bett lustvoll von den Fingern leckten, dann kündigte sich der Weihnachtsabend eindeutig an und der Weihnachtsmann bepackte bereits seinen Schlitten für seine beschwerliche Reise.
 
Wir spielten viel draußen. Logisch! Denn die Wohnungen glichen eher Kaninchenställen.  Wohnzimmer, Schlafzimmer, Küche, meistens ein Gemeinschaftsclo für die gesamte Etage. Wir wussten, daß unser Bad einen Luxus bedeutete, den damals nur wenige Familien in Berlin ihr Eigen nannten. Doch zu unserer Wohnung gehörte noch ein kleiner Wintergarten, eigentlich nur ein verglaster Balkon. Im Sommer war er mein Kinderzimmer, mein Reich. Und ich fühlte mich wie eine Prinzessin, wenn ich meinen eigenen Pallast bezog, denn im Winter schlief ich in der Küche, da mein Zimmer nicht beheizbar war.
 
Wir Kinder fragten nie lange nach der Witterung, um unseren Ölsardinenbehausungen zu entkommen. Jede freie Minute verbrachten wir möglichst auf den langweiligen Spielplätzen oder den viel interessanteren Orten, die wir uns selbst wählten, die die Großen jedoch selten wünschten.
 
In meinem fünften Lebensjahr fand man mich allerdings Sonntags um 1500 h niemals auf dem Ruinengrundstück oder auf dem Spielplatz. Ganz in der Nähe gab es nämlich ein Kino. Und um diese Uhrzeit begann die Kindervorstellung. Jeden Sonntagnachmittag zeigten sie einen Märchenfilm. Nach einigen Sonntagen wechselte das Programm. Das erste Mal mit Rotkäppchen vor dem bösen Wolf zu zittern, war beeindruckend. Zwangsweise sah ich den Film am kommenden Sonntag und den darauf noch einmal, doch jedes Mal verlor der Film nichts an Spannung, denn nun entdeckte ich Einzelheiten, die mir vorher nicht auffielen.
 
Diese Sonntage in den roten, weichen Samtsitzen, wenn nicht etwa die Lichter erloschen, weil jemand abrupt den Lichtschalter betätigte, sondern überganslos immer schwächer wurden, langsam der dunkelrote Vorhang nach rechts und links wie durch Geisterhand wegglitt und die Leinwand freigab, das bedeutete für mich das Ereignis schlechthin. Auf diesen Augenblick freute ich mich die ganze Woche, nur allein der Gedanke daran löste bei mir ein wohliges Kribbeln im Bauch aus und ließ mich so manches zwischenzeitlich unangenehme Erlebnis entschieden lockerer wegstecken.
 
An der Sache haftete ein kleiner Schönheitsfehler. Ich erhielt fünfzig Pfennig Taschengeld in der Woche. Der Eintritt ins Kino kostete dummerweise eine Mark. Das war ein Problem. So musste ich beizeiten lernen, nicht zu schnell aufzugeben und sehr früh diplomatisches Geschick entwickeln, um meinen Stiefvater wiederholt anzupumpen, der natürlich genau wusste, dass er das Geld nie wiedersah. Nur durfte ich mit ihm nie im Beisein meiner Mutter um das Kinogeld feilschen. Sie vertrat die Ansicht, ich hätte mir das Geld zusammenzusparen. Wie denn, wenn jeden Sonntag die Kindervorstellung stattfand?
 
Drei Tage lang beschäftigte ich mich also damit, meinem Stiefvater in Abwesenheit meiner Mutter aufzulauern. Dann wurde gebettelt, geschmeichelt, auf die Tränendrüse gedrückt, ihm ganz genau erklärt, wie förderlich der Kinobesuch für meine geistige Entwicklung sei und wie unvermeidbar für mein seelisches Gleichgewicht. Traten plötzlich kleine Blitze in seine Augen, die Fältchen um sie herum verschoben sich leicht nach oben und seine Mundwinkel zuckten kaum wahrnehmbar – dann hatte ich gewonnen, das Ziel meiner Wünsche erreicht. Sorgfältig hütete ich meine Mark bis zum Sonntag und schlief kaum noch richtig vor lauter Vorfreude.
 
Erleichtert und zufrieden ließ ich mich dann am Sonntag in den weichen roten Sitz sinken. Andere Kinder saßen erwartungsvoll um mich herum, viele griffen in ihre Popkorn- oder Bonbontüten, die ich mir mangels Kleingeld versagte, aber während des Filmes vergaß ich sowieso jegliches Naschwerk. Um 1700 h war stets das Kino vorbei und ich fragte mich, wie die das machen, dass alle Märchenfilme immer genauso lang sind. Natürlich entging mir, daß das Vorprogramm die Zeit ausglich. Auch ohne Fernseher kannten wir damals den neuesten Ärger eines Zeichentrickmännchens, der damit endete: „warum denn gleich in die Luft gehen? Greife lieber nach ... (eine Zigarettensorte), dann geht alles wie von selbst“. Ich lachte mich kringelig über diese Werbespots und begriff erst viel später, dass diese Werbung vor einer Kindervorstellung verantwortungslos und menschenverachtend war. Sie gaukelte uns Kindern vor, dass das Rauchen die Möglichkeit schlechthin sei, Probleme leicht und einfach zu lösen, und verschwieg, dass die Probleme erst dadurch entstanden und zwar gewaltige, die häufig tödlich endeten.
 
Normalerweise durfte ich am Wochenende mit meinen Freunden eine Stunde länger draußen bleiben, aber schnurstracks ging es nach Hause und ich erzählte meinem Stiefvater den Film bis in das kleinste Detail.
 
Sonst mochte ich nie pünktlich ins Bett gehen, aber sonntags zankten sich meine Mutter und ich nie darum. Eingekuschelt in meinem Bett lief im dunklen stillen Raum der gesehene Film noch einmal von Anfang bis Ende durch meinen Kopf und wenn ich noch nicht recht müde war, sah ich ihn mir eben noch einmal an. Den nächsten Vormittag verbrachte ich meist damit, die Bilder im Märchenbuch mit den Bildern aus dem Film zu vergleichen. Selten ähnelten sie sich, manchesmal waren die Darstellungen im Buch schöner und passender, manchmal aber auch im Film.
 
Mit den Nachbarskindern wurde jeder Film intensiv nachgespielt. Selbstverständlich hatten wir ihn alle angeguckt. Gab es einen Pechvogel, der ausnahmsweise nicht das Kino besuchen durfte, gleich aus welchen Gründen, erging es ihm wie mir, wenn ich meine Mark nicht zusammen bekam. Traurig, etwas verlegen saß er abseits. Er konnte nicht mitreden, gehörte plötzlich nicht mehr dazu, auch dann, wenn er eine Woche vorher den gleichen Film im Kino sah. Diese Kinder taten mir leid und ich versuchte oft, sie ins Spiel miteinzubeziehen. Doch die anderen Spielkameraden wehrten sich dagegen. Wer sonntags nicht ins Kino kam, war nichts wert. Nicht die Erwachsenen, nicht deren Eltern waren Schuld, sondern die betroffenen Kinder. Spätestens dann entbrannte Streit und ich wechselte mit dem Unglücksraben vom Ruinengrundstück zum Spielplatz.
 
Allerdings ärgerte es mich maßlos, wenn dieses Kind am nächsten Sonntag im Kino hockte und in der folgenden Woche auf einen anderen Unglücklichen herumhackte. Es änderte nichts, wenn ich ihn auf die vorige Woche ansprach. Etwas peinlich berührt korrigierte er doch nicht sein Verhalten und ich ging in neuer Gesellschaft zum Spielplatz.
 
Wenn sich die lieben Erwachsenen darüber mokieren, dass die Kinder sich heutzutage an ihren Markenklamotten bewerten und erhaben ihre Nase rümpfen, sollten sie sich lieber genau an diese fassen. Sie taten es meist ganz genauso, nur die Kultobjekte änderten sich. Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm oder anders ausgedrückt: Dummheit scheint sich zu vererben.
 
Ereilte mich das Schicksal, meine Geldsorgen nicht in den Griff zu bekommen, lungerte ich den Sonntag und die folgende Woche missmutig in der Wohnung herum. Unter den absonderlichsten Vorwänden rannte ich nicht wie gewohnt nach draußen, schob eine Krankheit vor und oft wurde dann wirklich aus einem bißchen Halskratzen eine ausgemachte Angina oder aus einem leichten Husten eine dicke Bronchitis. Bevor ich die Schmach vor den anderen Kindern erlitt, bevorzugte ich mit allen Mitteln unsere äußerst beengten Wohnverhältnisse.
 
Obendrauf stritten sich meistens auch noch die Eltern. Mein Stiefvater wollte mir die fehlenden fünfzig Pfennig geben, wenn er in mein trauriges Gesicht blickte und meine Mutter passte genau auf, dass er sie mir nicht heimlich zusteckte. Denn erstens hätte er keine Ahnung von Kindererziehung und zweitens solle aus mir schließlich mal ein anständiger Mensch werden. Schließlich verkündigte sie mir dann lautstark, daß ich ein vergnügungssüchtiges, unnützes, faules, missratenes Gör sei, dass stets nur Ansprüche stellt.
 
Einmal stahl ich aus ihrer Geldbörse die fehlenden 50 Pfennig. Außer der gewaltigen Tracht Prügel erfuhr ich, dass ich es damit für alle Zeiten verwirkte, jemals zu einem rechtschaffenen Menschen heranzuwachsen.
 
Zu dem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, dass alle Kinder irgendwann mal lange Finger kriegen und als Erwachsene trotzdem in der Regel zwischen mein und dein unterscheiden. Sogar dann, wenn ihre Eltern so ein Vergehen nicht mit Schlägen ahndeten, sondern vernünftig mit ihren Kindern redeten. Viele Großgewordene verfügen nun mal über ein schlechtes Gedächtnis. Sonst erinnerten sie sich daran, dass sie auch nicht als Erwachsene das Weltgeschehen betraten.
 
Nebenbei bemerkt war es nicht so, dass es sich meine Mutter dazumal nicht leisten konnte, mein Taschengeld auf eine Mark zu erhöhen. Sie ritt auf ihren Prinzipien, dass ich es lernen müsste, zu verzichten, zu sparen, enthaltsam zu sein und mit Geld umgehen zu können. Ich sollte also das lernen, was sie bis zum heutigen Tage nicht beherrscht. Meine Reaktion zeigte ein normales Empfinden. Insgeheim flüsterte ich mir verbissen zu: „Kloppe vajeht, Arsch besteht“ und die Angelegenheit war erledigt. Viel härter wog die Tatsache, dass sie mir zusätzlich vier Wochen radikales Kinoverbot aufbrummte, auch dann, wenn ich mein Eintrittsgeld alleine zusammenspare.
 
Einmal geschah etwas Unerwartetes. Im Kino zeigten sie das Märchen von „Hänsel und Gretel“. Aufgeregt eilte ich nach Hause, doch diesmal erfuhr mein Stiefvater wenig von der Kinovorstellung, sondern ich bestürmte ihn mit Fragen. Schließlich nahm er sich mein Märchenbuch und las das Märchen noch einmal genauestens durch. Die Woche darauf drohte wieder mein Kinobesuch an den fehlenden 50 Pfennig zu scheitern. Doch diesmal half das gesamte Gezeter meiner Mutter nichts, ohne weiteres den Wettstreit zu einer leibhaftigen Märchenfilmhexe gewinnend. Zwar schummelte mein Stiefvater mir das Geld nicht zu. Nein! Er lud mich ganz einfach kurzerhand ins Kino ein.
 
Zwei Fliegen mit einer Klappe: der Sonntag gerettet und für den nächsten Sonntag das Kinogeld zusammen. Aber es kam noch besser. Wir sahen uns zusammen den Film an und diesmal knabberte auch ich Popkorn. Und nachher ging es geradewegs in eine Eisdiele. Als die Serviererin vor mir ein riesengroßes Vanilleeis mit Sauerkirschen hinstellte, raste ich wie angestochen ganz schnell auf die Toilette, um bloß nicht vor Aufregung einzupullern.
 
Aber meine Fragen, die konnte er leider trotzdem nicht beantworten. Irgendetwas stimmte mit diesem Märchen nicht. Und als meine Kinder trotz Fernseher, Computer und Videos anfingen, sich für das Theaterspielen zu interessieren, lag es für mich sehr nahe, dieses Märchen endlich ein bißchen geradezurücken.
 
In diesem Theaterstück findet ihr viele Liedtexte. Die Melodien dazu befinden sich in meinem Kopf. Leider beherrsche ich keine Noten. Entweder denkt ihr euch eigene Melodien aus oder ihr wendet euch an mich, dann singe ich euch die Lieder vor (allerdings übersteigt mein Gesang häufig jegliche Schmerzgrenze). Die Musik des Waldes existiert noch nicht, denn komponieren kann ich nicht. Sucht euch selber passende Musikstücke heraus. Vielleicht findet sich aber auch irgendwann mal ein netter Zeitgenosse, der uns das Stück endlich vertont. Die Sprache der Kinder - ein Problem? Keine Panik! Es gibt eine hochdeutsche Übersetzung. Ein Theaterstück könnt ihr nicht auf die Bühne bringen? Ist nicht schwer. Hier findet ihr eine genaue Anleitung zur Organisation, Beschaffung von Kostümen, Kulissen, Musikinstrumenten usw. Viel Spaß!
 


Das Märchen entstand 1997, um mit Theaterspielen Fernsehen und Sailormoon auszustechen. Theater ohne Erwachsene, ja geht denn das? Ja, fragt meine Brüder. Eigentlich mochten sie angeblich das Theaterspielen nicht, aber die Kuchenberge in den Altersheimen, wo wir in Eigenregie auftraten, verdrückten sie am schnellsten.




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Hallo Kinder!
 
 
Eigentlich heißt es ja heutzutage: „Hey Kids!“. Aber seht euch doch mal spaßeshalber in einem Wörterbuch Englisch-Deutsch die Übersetzung für „kid“ an, ihr kleinen Zicklein, dann wisst ihr vielleicht, warum ich nicht jeden Blödsinn mitmachen muss, auch wenn er modern ist. Ich für meinen Teil pflege Umgang mit Kindern und nicht mit Ziegen.
 
Also noch einmal:
 
Hallo Kinder!
 
Ein richtiges Theaterstück auf die Bühne bringen heißt, lange Proben, viel lernen und jede Menge Zeit mitbringen. Theater bedeutet aber nicht nur, etwas darzustellen, zu schauspielern. Hinter der Bühne arbeiten viele Leute, damit überhaupt erst ein Stück auf die Bühne gelangen kann. Sie dürfen genauso wenig fehlen wie die Schauspieler.
 
Nicht jedes Kind träumt davon, auf der Bühne zu stehen, für manche ist dieser Gedanke eher ein Horror. Wenn ihr noch nicht wisst, was ihr machen wollt, aber Lust hättet, in einen Theaterbetrieb reinzuriechen, seht euch erst einmal an, für was ihr euch begeistern könntet. Ein Theater ist derart vielseitig, dass jedem ein Platz geboten wird, um seine Interessen  und Neigungen zu verwirklichen.
 
Zeitaufwand
 
Wenn ihr eure Truppe zusammengesammelt habt, braucht ihr vom ersten Durchlesen des Theaterstückes bis zur ersten Aufführung mindestens ein Jahr, vorrausgesetzt, ihr trefft euch einmal in der Woche. Das ist eine ziemlich lange Zeit. Also überlegt euch vorher, ob ihr langfristig so viel Zeit mitbringen wollt.
 
Ihr könnt natürlich auch länger proben. Dann fragt euch aber bitte, ob ihr eventuell nicht den Mut zur Aufführung aufbringt. Irgendwann muss man einfach den Sprung ins kalte Wasser wagen. Euer Lampenfieber wird nicht besser, wenn ihr die Vorstellung immer weiter herausschiebt. An Lampenfieber stirbt man auch nicht, dummerweise fühlt man aber ganz deutlich, dass der Text weg ist, die Stimme versagt, die Beine nicht mehr gehorchen, einen sofort der Blitz trifft. Viele erwachsene Schauspieler müssen sich vor einer Aufführung die Hose zubinden, weil sie glauben, sie schaffen es nicht mehr rechtzeitig auf Toilette vor Angst. Und die spielen regelmäßig Theater. Wenn eure Angst zu groß ist, denkt ganz angestrengt an die Hosen dieser Schauspieler und stellt sie euch vor, wie sie auf das Clo rennen. Das hilft.
 
Nach der Aufführung wisst ihr, warum Andere vor euch diese Furcht vor der Bühne und dem Publikum dennoch immer wieder auf sich nehmen: das grenzenlose Glücksgefühl, es geschafft zu haben. Eine Aufführung ohne Lampenfieber ist langweilig. Dann spielt ihr wie kleine Roboter und nichts wirkt echt. Ihr braucht das Lampenfieber, um eine gute Vorstellung zu geben. Also lasst euch nicht von eurem Lampenfieber einschüchtern, sondern nutzt es, weil es für euch wichtig ist. Geht auf die Bühne, seht eure Mitspieler an und niemals in das Publikum. Dann spielt ihr mit diesem sogenannten Lampenfieber wie im Traum, die Zuschauer existieren gar nicht mehr und ihr seid einfach nur noch der, den ihr darstellen wollt. Und ihr werdet sehen: das Stück ist zu Ende und das Lampenfieber auskuriert.
 
Proben- und Aufführungsraum
 
Für die Textproben reicht ohne weiteres euer Kinderzimmer. Auch einzelne Bilder können anfangs dort grob einstudiert werden. Die Tanzkinder üben zu Beginn in einer Turnhalle. Den Musikkindern reicht am Anfang ein größerer Raum.
 
Dennoch braucht ihr relativ schnell den eigentlichen Aufführungsort als Probenraum. Ihr müsst mit der Örtlichkeit vertraut sein. Besonders die Tanzkinder sind darauf angewiesen, genauestens zu wissen, wieviel Platz ihnen zur Verfügung steht. Das Vögelchen kann seine Darbietung schließlich nicht im Umkleideraum beenden, weil die Turnhalle größer war als die Bühne. Die Musiker und Singkinder müssen sich mit der Akustik des Raumes vertraut machen. Für die Schauspieler ist es wichtig zu wissen, wo sie wann stehen, in welche Richtung sie die Bühne verlassen usw. Die Maler sollten verhältnismäßige Kulissen erstellen und das Pfefferkuchenhaus muß auch in der Größe passen. Kulissenwechsel, Beleuchtung – alles kann nur klappen, wenn es rechtzeitig oft genug geübt wird.
 
 
Für die Aufführung benötigt ihr unbedingt eine Bühne mit Vorhang. Zur Not kann man selber einen Vorhang nähen und anbringen. Auch Kulissenständer kann man notfalls selber fertigen. Steht euch allerdings nur eine große Halle ohne Bühne zur Verfügung, dann wird die Sache kompliziert und teuer. Es wäre ohne weiteres möglich, den Raum mit einer flexiblen Bühne nachzurüsten, dass heißt, mit einer Bühne, die auch ziemlich schnell wieder abbaubar ist. Aber sie muss stabil und sicher sein und die Tänzer brauchen einen glatten, ebenen Boden. Um eine solche Bühne herzustellen ist die Hilfe von Erwachsenen unvermeidbar.
 
 
Vor der eigentlichen Bühne sollte noch mal ein Absatz sein, nämlich für den Erzähler, die Alltagskinder und Musiker. Falls der Bereich fehlt, ist es weniger dramatisch. Fragt bei Kohlenhandlungen oder Fabriken an, ob sie euch für eine Weile Europaletten ausleihen. Mit denen bekommt ihr leicht ein stabiles Podest vor die Bühne gesetzt. Ein paar alte Teppiche zum Darauflegen lassen sich immer finden und schon ist dieses Problem gelöst.
 
Teilnehmerzahl
 
Vierzehn Kinder schaffen es, das Theaterstück umzusetzen, wenn Rollen und Funktionen doppelt, dreifach und vierfach besetzt werden. Ein ziemlich anstrengendes Unterfangen! Je mehr Kinder mitspielen, umso besser und eindrucksvoller wird die Aufführung. Bei näherem Hinsehen lässt sich feststellen, dass auch ohne weiteres hundert Kinder mitwirken könnten. Also verges einmal vorübergehend, dass ihr den oder die nicht mögt, wenn sie sich beteiligen möchten, denn ihr braucht jedes einzelne Kind.
 
Vielleicht entdeckt ihr ja dann über die gemeinsame Arbeit, dass derjenige gar nicht so schlecht ist, wie ihr dachtet. Unter Umständen findet ihr sogar so eure beste Freundin oder Freund. Sollte das nicht klappen, müsst ihr aber trotzdem etwas beherzigen: zankt und streitet euch sonstwo, aber nicht bei den Proben oder Vorbereitungen. Da herrscht Frieden und jeder beherrscht seinen Groll. Proben oder Aufführungen finden statt, egal, wer gerade mit wem nicht kann. Bleibt ihr den Proben wegen einer Zankerei fern, schadet ihr allen Kindern, nicht nur dem anderen Streithammel. Ihr riskiert, dass euer Vorhaben insgesamt kläglich scheitert und irgendwelche Erwachsenen hämisch bemerken: „Siehste, habe ich doch gleich gesagt, dass die nichts zustande bringen“.
 
Das Theaterstück kann nur realisiert werden, wenn alle zuverlässig mitmachen und dabei bleiben und wenn jeder weiß, dass jedes andere Kind genauso wichtig ist, ganz gleich, ob auf oder hinter der Bühne. Ihr müsst euch hundertprozentig aufeinander verlassen können. Wenn ihr diesen Rat beherzigt, dann schafft ihr es auch, eure Theateraufführung alleine ohne Hilfe von Erwachsenen auf die Bühne zu bringen. Ihr braucht keinen Großen mehr anzubetteln, ob er etwas mit euch macht und vielleicht mal Zeit für euch hätte. Auch wenn es mal diese oder jene Panne gibt: ohne den Mut zur Lücke schaffen auch die Erwachsenen nichts. Gebt euch Mühe! Aber perfekt sein zu wollen, heißt, sich selber ein Bein zu stellen. Betrachtet mich als Beispiel: ich kann nicht malen, fand aber niemanden, der die Bilder zu diesem Theaterstück anfertigt. Natürlich zeichnen andere Leute viel besser: aber meine Bilder verdeutlichen trotzdem, was ich auszudrücken gedachte. Ich beherrsche keine Noten, kein Musikinstrument und mein Gesang darf man getrost als Lärmbelästigung einstufen. Aber gerade das Verfassen der Liedtexte machte mir richtig großen Spaß. Ohne meinen Mut zur Lücke gäbe es heute nicht den „Mord im Pfefferkuchenhaus“.
 
Also traut euch – ich weiß, dass ihr gut seid.
 
Spielführer
 
Du kennst das Theaterstück sehr genau und hast konkrete Vorstellungen, wie es auf der Bühne aussieht. Dabei darfst du nie das Gesamtstück als Einheit vergessen. Außerdem  berücksichtigst du, was für euch wirklich umsetzbar ist und was nicht. Es ist deine Aufgabe, darauf zu achten, dass die Mitspieler die Texte deutlich sprechen und richtig betonen und die Handlung stimmt.
 
Für einen Schauspieler gibt es nichts Schlimmeres, als hilflos auf der Bühne zu sitzen und nicht zu wissen, wohin mit den Händen. Dann musst du als Spielführer mit dem entsprechenden Kind überlegen, was es beim Reden tun könnte (beispielsweise schiebt der Vater während des Sprechens mal nervös den Kerzenhalter hin und her oder er macht eine abwehrende Handbewegung oder schlägt verärgert mit der Faust auf den Tisch). Du solltest in der Lage sein, mit allen mitwirkenden Kindern zu reden ohne zu bestimmen oder zu bevormunden. Gemeinsam entwickeln sich die besten Ideen.
 
Als Spielführer benötigst du sehr viel Zeit, denn du bist bei allen Proben anwesend. Während der Proben plazierst du dich weit genug vom Geschehen entfernt und zwar in etwa der Distanz, wo die Zuschauer säßen.
 
 
So beurteilst du sicher, wie das Dargestellte auf den Zuschauer wirkt und es entgeht dir nicht, wenn die Schauspieler nicht zum Publikum reden, denn dann versteht es während der Aufführung nichts mehr.
 
Du arbeitest einen Probenplan aus, legst fest, wann wer zu welcher Probe zu erscheinen hat. Der Plan beinhaltet Textproben, kleine Proben mit wenigen Kindern für eine Einzelszene, große Proben mit allen Kindern, Kostümproben und endlich die Generalprobe, also die letzte große Gesamtprobe mit Kostümen und Kulissen vor der ersten Aufführung, der sogenannten Premiere. Schließlich entscheidest du auch, welche Szenen oder Texte noch nicht richtig sitzen und ob Einzelproben oder zusätzliche Proben angesetzt werden müssen. Achte darauf, daß regelmäßig alle Kinder proben und nicht etwa andere Kinder abspringen, weil sie nie dran sind und deshalb das Interesse verlieren oder dass bereits erarbeitete gute Bilder wieder verloren gehen, weil sie zu lange nicht geübt und wieder vergessen wurden.
 
Der Spielführer übernimmt im Grunde genommen die Verantwortung für die Qualität der gesamten Aufführung. Deshalb ist es hilfreich, wenn sich vielleicht zwei Kinder diese Funktion teilen, denn vier Augen sehen bekanntlich mehr als zwei. Andere Kinder, die gerade nicht proben, setzen sich neben den Spielführer und sehen zu, um den Spielführer zu beraten.
 
Texthelfer
 
Auch dem besten Schauspieler passiert es mal, dass er „hängen“ bleibt, also seinen Text vergisst. Der Texthelfer liest leise für sich alle gesprochenen Texte im Buch mit. Sowie er feststellt, dass einer der Darsteller plötzlich nicht mehr weiter weiß, hilft er ihm durch leises Vorsagen, möglichst, wenn es geht, mit einem Wort.
 
Es ist sinnvoll, dass du von Anfang an bei allen Proben mit Text anwesend bist. Du lernst, nicht nur mitzulesen, sondern beobachtest gleichzeitig das Geschehen, damit du sofort bemerkst, wenn ein Mitspieler dich hilfesuchend anguckt. Das erfordert höchste Aufmerksamkeit.
 
Bei den Vorstellungen sitzt du entweder versteckt so, dass du von deinen Mitspielern gehört und gesehen wirst, aber möglichst nicht von den Zuschauern oder du nimmst einfach Platz zwischen den Alltagskindern. Das Publikum darf aber auf keinen Fall hören, wenn du etwas vorsagst, was eine sehr deutliche Aussprache vorraussetzt.
 
Boshaft könnte ich ja jetzt bemerken, dass du es am Besten schon mal bei Klassenarbeiten übst. Das verkneife ich mir aber, denn dann bekomme ich vermutlich mächtig Ärger mit deinen Lehrern. Sagst du vielleicht etwas Verkehrtes vor, sind deine Mitschüler auf mich und dich sauer und erwischt man dich trotz allen Könnens, fragst du dich mit Recht, ob ich nicht mehr alle Tassen im Schrank habe. Also beschränke deine neu erworbenen Fähigkeiten auf das Theater.
 
Die Schauspieler
 
Ein älteres Kind verkörpert den Erzähler. Es ist ziemlich egal, ob diese Rolle ein Junge oder ein Mädchen übernimmt. Allerdings solltest du außergewöhnlich gut vorlesen können und du musst zusätzlich noch relativ viel freien Text sprechen.
 
 
Zwei ältere oder größere Kinder spielen die Eltern, denn es wirkt etwas komisch, wenn Hänsel und Gretel die Mutter um zwei Köpfe überragen. Der Vater besitzt einen etwas poltrigen und lauteren Charakter. Diese Rolle ist also nichts für dich, wenn du eher zurückhaltend bist.
 
 
Dann würde dir die Rolle der Mutter mehr liegen, aber du musst überzeugend wütend werden können.
 
 
Hänsel und Gretel dürfen, müssen aber nicht gleich groß sein. Als Hänsel musst du gut seine Verbitterung zeigen. Die Gretel überzeugt, wenn man ihr die Verzweiflung und Trauer abnimmt.
 
 
Die Hexe muss nicht unbedingt größer sein als Hänsel und Gretel. Sie wird dann glaubhaft, wenn du ihre Unbeschwertheit und Fröhlichkeit, aber auch kurzzeitige Verärgerung darstellen kannst.
 
 
Die Rolle der Katze Kassandra zu besetzen, dürfte nicht leicht fallen. Sie stellt ein deutlich jüngeres oder kleineres Kind dar. Dieses Kind lernt nicht nur relativ viel Text und beweist schauspielerisches Talent, sondern singt zusätzlich noch ein Lied überwiegend alleine. Fahndet bei euren kleinen Geschwistern. Auch wenn sie noch nicht lesen können: dadurch, dass der Text gereimt ist, behalten sie ihn relativ schnell. Ihr müsst ihn eurer kleinen Schwester oder Bruder nur häufig genug vorlesen.
 
 
Den Mond verkörpert eher ein größeres Kind. Du sprichst zwar keinen Text, singst aber dein Lied hauptsächlich allein. Es ist auch nicht so einfach, gemessenen Schrittes alleine über die Bühne zu wandeln, wie es auf den ersten Blick erscheint, zumal du auch mit der Zeit, sprich Liedlänge, hinkommen musst. Das solltest du intensiv üben. Eine schöne Singstimme alleine reicht nicht.
 
 
Für die Ente ist wieder ein eher kleineres oder jüngeres Kind gefragt, dass wie die Kassandra spielen und singen kann, auch wenn diesmal der Text etwas geringer ist. Eure kleinen Geschwister sind mit Sicherheit froh, wenn sie mit euch zusammen etwas machen können und nicht nur Schelte bekommen, weil sie mal wieder eure Sachen durcheinanderbrachten. Ihr werdet staunen, was die Kleinen auf der Bühne zeigen, wenn sie wirklich mitmachen wollen und nicht dazu gezwungen werden.
 
Auch das Vögelchen ist ein kleineres Kind, was gut tanzen können muss.
 
 
Die Alltagskinder haben insoweit mit ihren freien Texten Glück, dass sie mit relativ wenigen Handlungen im Zuschauerblick sind und dann auch mal eher am Bühnenrand spicken können. Aber sie haben ein immenses Liedprogramm zu bewältigen und sollten daher gut bei Stimme sein. Zahlenmäßig gibt es keine Beschränkung. Vier Kinder sind die absolute Untergrenze, zehn Kinder ein gutes Mittelmaß und wenn ihr die Musikschulsingeklasse oder euren Schulchor zum Mitmachen gewinnt, dürften auch ohne Probleme dreißig Kinder mitspielen. Je mehr, desto besser. Einige mutige Kinder tragen einzelne Strophen als Solisten vor.
 
Denkt daran, dass ihr alle Einzelrollen doppelt besetzt. Eine langfristig angesagte Vorstellung kann nicht abgesagt werden, weil plötzlich die Gretel krank ist. Wenn ihr über genügend Alltagskinder verfügt, wäre es sinnvoll, dass Kinder aus dieser Gruppe die Doppelbesetzung stellen. Es fiele am wenigsten auf, wenn ein Kind bei den Alltagskindern fehlt, weil es in die Rolle der Hexe schlüpfte. Aber Vorsicht: die alleinvorgetragenen Strophen und Texte der Alltagskinder müssen abgesichert sein. Die doppelte Besetzung einer Rolle fehlt nicht bei den Einzelproben der entsprechenden Bilder, denn es lernt und kennt die Rolle genauso gut wie der eigentliche Darsteller.
 
Musikleiter
 
Deine Zuständigkeit betrifft alles, was mit Musik zu tun hat. Du studierst mit den Alltagskindern, dem Mond, Kassandra und der Ente alle Lieder ein. Außerdem sorgst du für die Waldmusik und die Musik für das Vögelchen, übst also mit den Kindern, die Musikinstrumente spielen. Logischerweise arbeitest du eng mit denjenigen zusammen, die nach der Musik tanzen. Für die Lieder und die Musik setzt du eigenständig Proben an und einigst dich mit dem Tanzleiter auf gemeinsame Proben. Von dir wird erwartet, dass du ein gutes Ohr für Missklänge besitzt und etwas Ahnung von Musik mitbringst. Ein paar Notenkenntnisse wären von Vorteil, die Beherrschung eines Musikinstrumentes super und wenn du dann die Lieder auch noch richtig vorsingst, bist du absolut top für diese Funktion.
 
Musiker
 
Musiker ist, wer Spaß am musizieren hat. Es wäre schön, wenn ihr Kinder zum Mitwirken findet, die bereits Musikinstrumente beherrschen. Auch hier besteht zahlenmäßig keinerlei Beschränkung. Sucht doch mal nach ihnen in den Instrumentalklassen eurer Schule oder Musikschule. Flöten, Geigen, Keyboard, Klavier, Gitarren, Schlagzeug, Xylophon, Melodica, Bongos, Mundharmonika usw, usw – alles ist gefragt.
 
Aber es gibt auch Kinder, die gerne Musik machen und noch kein Instrument spielen. Verzichtet nicht auf sie. Wenn es ihnen Freude bereitet, fügen sie sich schnell in euer Orchester ein. Tamburin, Rumbakugeln, Klanghölzer, Maultrommel oder Schellen beispielsweise beherrschen bald auch bis dahin Ungeübtere.
 
Musikinstrumente sind unbegreiflicherweise leider richtig teuer. Eigentlich müssten alle Kinder bereits im Kindergarten ein Musikinstrument erlernen. Doch dort und in den Schulen dümpelt der Musikunterricht häufig als ungeliebtes Fach vor sich hin. Eltern, die sich für ihre Kinder wünschen, dass sie ein gutes Rhythmusgefühl entwickeln, die feinen Bewegungen verbessern, sich konzentrieren lernen etc bittet man reichlich zur Kasse und oftmals scheitert ihr guter Wille an der Finanzierung.
 
Bevor also Musikinstrumente eure Theaterkasse ruinieren, strengt eure Köpfchen an, wie es auch billiger geht. Es lohnt sich, mal in der Schule oder Musikschule zu fragen, ob sie preiswert Instrumente verleihen. Manchmal mustern sie auch alte Instrumente aus. So mancher Erwachsener besitzt aus seiner Kinder- oder Jugendzeit noch ein Musikinstrument, was ungenutzt in irgendeiner Ecke verstaubt und sich freut, wenn es einen Nutzer findet.
 
Auch Flohmärkte und Trödelläden sind heiße Adressen, um mal ein Schnäppchen zu ergattern. Auf fast jedem Flohmarkt bietet man oft eine oder mehrere Blockflöten für ein paar Pfennige an, guterhaltene Bongos wechseln für den Bruchteil des Neupreises den Besitzer. In  Musikgeschäften lohnt es, regelmäßig nach gebrauchten Instrumenten zu fragen. Prüft vor Ort das Instrument, ob es auch funktioniert und vergesst grundsätzlich nie das Feilschen.
 
Viele Instrumente kann man auch gut alleine herstellen. Vielleicht gammelt bei der Oma auf dem Speicher noch ein altes Waschbrett herum? Mit Fingernägeln, Fingerhüten oder Bürsten bekommt man auf ihm die unterschiedlichsten Klänge gezaubert. Löffel, Töpfe, Gläser, Fahrradklingel, Kämme usw richtig eingesetzt sind ebenfalls sehr brauchbar.
 
Holzkochlöffel  sind  hervorragende Klanghölzer und mit Stoff oder Watte umwickelt tolle Schlegel.
 
   
 
Zwei Löffel übereinander gelegt ergeben eine Klapper.
 
 
Die Herstellung einer Rassel ist einfach. In eine leere Schachtel füllst du Kieselsteine, Reis, Nelken oder Perlen. Probiere aus, wann es sich mit welcher Füllung am besten anhört. Hast du den richtigen Klang, klebst du den Deckel fest herauf. Nun kannst du die Schachtel bemalen oder bekleben. So kannst  du auch Rasseln aus kleinen Gläsern, am besten mit Metalldeckeln, oder aus Schachteln anfertigen.
 
 
Gong Marke Eigenbau: Ein einfaches Holzgestell bauen, an das ihr eine alte Backform für Tortenböden hängt.
 
 
 
Große Dosen oder auch Blumentöpfe ergeben eine Trommel oder Bongo. Aus stabiler Plastikfolie oder Leder schneidet ihr einen Kreis aus, der circa zwei Zentimeter größer ist als die abzudeckende Öffnung. Mit Strippe oder Kordel spannt ihr diesen Kreis straff auf das bemalte Gefäß. Ihr könnt das Instrument mit der Hand oder einem Schlegel spielen. Als Schlegel eignen sich hölzerne Kochlöffel. Umwickelt ihr die Köpfe mit Stoff oder einem Stück Fell, werden die Töne der Trommeln noch einmal verändert.
 
   
 
Ein altes Faß ergibt eine tolle Trommel, wenn ihr mit einem Gummihammer in den Boden unterschiedlich große und tiefe Beulen treibt. Klopft ihr mit einem Stock in die verschiedenen Vertiefungen, gibt es jedesmal einen anderen Ton.
 
 
 
Sammelt Verschlüße von Bierflaschen. Mit einem Nagel und Hammer auf rutschfester Unterlage haut ihr in die Mitte ein Loch. Sucht eine handliche Astgabel, sägt die Enden sauber ab und besorgt euch Blumendraht. Nun fädelt ihr die Verschlüße auf diesen auf und befestigt ihn so an die Astgabel, daß der Draht gut gespannt ist. Anzahl der Verschlüße und Größe der Astgabel entscheiden über den Klang der Rassel.
 
 
 
Für das Glasxylophon braucht ihr Geschick und ein gutes Ohr, um eine Tonleiter zu erzeugen. Ganz einfache Wein- oder Sektgläser könnt ihr sehr billig kaufen, also laßt Mamas gute Gläser stehen. Mit dem Teelöffel nur leicht dagegen klopfen, sonst gibt es Scherben. Macht euch mit wasserfestem Stift eine Markierung an die Gläser, dann wisst ihr ungefähr das nächste Mal, wieviel Wasser hineingehört.
 
 
In einen Luftballon einige Kieselsteine füllen, ihn dann auf die gewünschte Größe aufpusten, zuknoten und mit einem Faden an einen Stab befestigen. Luftballon und Stab mit Papierstreifen ca 0,5 bis 1 cm dick überall umwickeln, die vorher in angerührtem Tapetenleim eingeweicht waren. Gut trocknen lassen, anmalen und fertig ist eure Rumbakugel.
 
 
An ein rundes Holz wird Blumendraht befestigt. Alles gut mit Band umwickeln und gleiche oder unterschiedliche Glöckchen daran befestigen.
 
 
 
 
Mit etwas Fantasie und Arbeit kann man also viel Geld sparen und sein Orchester ausrüsten.
 
Jeder Musiker ist für die Pflege und Aufbewahrung seines Instrumentes alleine verantwortlich, da ihr ja zu Hause üben müsst.
 
Tanzleiter
 
Du erarbeitest mit den Tänzern die Tanzszenen und setzt die erforderlichen Proben zum Einstudieren der Tänze an.
 
Für die Tanzkinder ist es noch viel bescheuerter als für die Schauspieler, wenn sie nicht wissen, wohin jetzt mit den Armen oder Füßen oder in welche Richtung habe ich mich zu bewegen. Feste Schrittfolgen und übereinstimmende Bewegungen der Baumkinder vermitteln erst den tänzerisch leichten Eindruck und die Szenen sind dann jederzeit wieder abrufbar.
 
Die Tänzer müssen sehr früh beginnen, kostümiert zu tanzen, damit sie sich an sie gewöhnen und du an Effekten, die durch das Kostüm entstehen, noch arbeiten kannst.
 
 
Achte genau auf den Gesichtsausdruck, auf die Mimik deiner Tänzer. Wenn Hänsel die Hexe in den Ofen schubst, sollten die Baumkinder nicht unbedingt ein fröhliches Gesicht machen. Sie sind es, die die Stimmung und den Ausdruck der einzelnen Szenen verstärken und eindringlich gestalten. Es liegt an dir, ob das Vögelchen albern über die Bühne hoppelt oder ob dieses Kind tänzerisch die Leichtigkeit und Lebendigkeit eines fliegenden Vogels darstellt.
 
Du erkennst, dass du eine ähnlich verantwortungsvolle Aufgabe wie der Spielführer oder der Musikleiter hast. Ähnlich dem Musikleiter schadet ein wenig Fachwissen überhaupt nicht. Vielleicht verfügst du über ein solides Vorwissen, weil du selber Ballett- oder Tanzerfahrung besitzt. Dann fällt dir das Vortanzen nämlich auch nicht schwer, damit deine Tänzer sehen, wie es aussehen sollte.
 
Notiere dir deine erarbeiteten Tanzschritte und Tanzbilder. Fertige auch genaue Skizzen an, was die Tänzer in welchen Szenen zeigen, damit die tänzerischen Einlagen jedesmal gleich sind. Orientiere deine Tänze an den Möglichkeiten der Tänzer. Verlangst du Tanzfiguren, für die das Können deiner Tänzer nicht ausreicht und wenn es sich noch so gut auf der Bühne machen würde, wirkt das Ganze lächerlich.
 
Dir fällt aber noch eine sehr wichtige Aufgabe zu. Du bist für die Sicherheit deiner Tänzer verantwortlich. Verlass dich nie auf andere, vor jeder Probe oder Aufführung kontrollierst du selber höchstpersönlich den Boden. Der Fußboden muss piekobello sauber und trocken sein, damit deine Tänzer nicht ausrutschen und stürzen. Ein eventueller Belag darf keine Stolperfallen durch Wellen oder Falten aufweisen und muss glatt anliegen. Bevor derartige Schäden nicht behoben sind, darfst du kein Tanzkind auf die Bühne lassen. Freunde dich mit Schrubber, Besen und Scheuerlappen an, denn verstauchte Knöchel oder schlimmstenfalls gebrochene Beine sind nicht wünschenswert.
 
Tänzer
 
Vier Bäume sind ein etwas spärlicher Wald. Besser wären wenigstens zehn Baumkinder.  Hier gilt das Gleiche betreffs der Teilnehmerzahl wie bei den Alltagskindern. Es existiert nach oben keine Grenze. Vielleicht kennt ihr eine Ballett-, Tanz- oder Gymnastikgruppe. Sprecht doch einfach die Kinder an, ob sie nicht Lust hätten, den Tanz des Waldes einzustudieren und innerhalb des Märchens aufzuführen.
 
 
Ein jüngeres oder kleineres Kind tanzt ballettmäßig das Vögelchen als Solo. Keine leichte Aufgabe, denn dieses Vögelchen sollte eher einem Singvogel ähneln und nicht einem Huhn, dass gerade vor dem Suppentopf flüchtet. Da wäre es angebracht, dass diese Rolle ein Kind mit Balletterfahrung übernimmt.
 
Auch diese Rolle muß doppelt besetzt werden. Das Ersatzkind könnte normalerweise bei den Baumkindern mittanzen.
 
Maler
 
Diesmal braucht ihr mehrere Kinder, die besonders gut oder gerne malen. Sie denken sich die Kulissen aus und stellen sie für das Theaterstück her. Ein weiter und arbeitsreicher Weg von der ersten Skizze bis zur fertigen Kulisse. Dafür benötigt ihr ebensoviel Zeit wie die anderen Kinder mit Proben.
 
Ein Tip: alte weiße Laken mit Wandfarben bemalt lassen sich an Ständern als Hintergrundkulisse leicht auf- und abhängen. Bei alten Leuten findet ihr häufig neuwertige Laken im Schrank. Sie werfen die Bettlaken nicht weg, weil sie zu gut erhalten sind, benutzen aber lieber Spannbetttücher. Fragt nach! In der Regel geben sie euch gerne diese Laken, denn so erfüllen sie noch einen Sinn und belegen im Schrank keinen unnützen Platz.
 
 
Oben in das Laken schneidet ihr entweder Löcher herein, allerdings müsst ihr dann die Ränder der Löcher vernähen, damit der Stoff nicht ausreisst. 
 
 
Oder ihr benutzt große Ösen, die mit Hilfe einer Ösenzange für die nötigen Öffnungen sorgen. Die Löcher dienen als Halterungen für die Fleischerhaken. Sogenannte Fleischerhaken gibt es in ziemlich allen Größen zu kaufen.
 
 
Alte ausgediente Weihnachtsbaumständer sind hervorragende Kulissenfüße und man kommt superpreiswert an sie heran.
 
 
Ihr besorgt Latten im Baumarkt. Die gehobelten Latten sind zu teuer und die ungehobelten erfüllen ebenfalls ihren Zweck. Oben werden Schrauben eingeschraubt, die einen großen Rundhaken besitzen. Jeweils zwei dieser Ständer werden nun durch eine dünnere Querlatte verbunden, indem man sie in die Rundhakenschrauben hineinlegt. 
 
 
Auf diese Querlatte werden die Fleischerhaken mit dem Laken eingehängt. So funktioniert der Kulissenwechsel blitzschnell. Die Größe eurer Kulissen bestimmt ihr durch Anzahl der Ständer und Laken selbst, auch seitliche Bühnenabgrenzungen sind so möglich. Außerdem sind diese Kulissen platzsparend unterzubringen und nicht unbedingt an einen einzigen Aufführungsort gebunden.
 
Wandfarben sind entschieden billiger als beispielsweise Tuschfarben aus euren Tuschkästen für so große Formate. Ihr kauft fünf Farben: die sogenannten Grundfarben rot, blau und gelb und zusätzlich schwarze und weiße Farbe zum Aufhellen oder Abdunkeln. Mit diesen Farben erhaltet ihr jeden gewünschten Farbton.
 
 
Zuerst malt ihr immer die Hintergrundfarbe. So verderbt ihr euch nicht die Motive. Zum Skizzieren eignen sich Kreide, Wachsmal-, Blei- oder Kohlestifte. Die Bilder dürfen nicht zu groß sein, sonst wirken die Schauspieler davor zu klein und albern. Sie dürfen aber auch nicht zu klein sein, sonst erkennt der Zuschauer aus einer gewissen Entfernung nicht mehr das Dargestellte.  Also nach dem Skizzieren aus gewisser Distanz erst begutachten und dann ausmalen. Als Pinsel eignen sich dickere Borstenpinsel. Die von euch gemischten Farben sollten nicht zu auffällig und schrill sein, da sonst die Kostüme der Darsteller untergehen. Die Farben im Hintergrund wählt ihr blasser als die Farben der vorn gemalten Dinge. So erscheinen die Kulissen plastischer.
 
Zum Bemalen breitet ihr die Laken auf dem Boden aus und sichert sie, wenn möglich, mit Reißzwecken gegen ein Verrutschen. Vielleicht sucht ihr euch für die Malarbeiten nicht unbedingt die neue Auslegware im Wohnzimmer aus. Ich müsste mich schwer irren, wenn eure Eltern in diesem Falle nicht unbedingt mit Begeisterung reagieren.
 
Das Pfefferkuchenhaus und den Backofen bastelt ihr am Besten aus Karton. Fragt nach großen Verpackungskartons, etwa von Waschmaschinen oder dergleichen, in den Geschäften nach. Beim Anmalen und oder Bekleben beachtet beim Häuschen, daß Lebkuchen so angebracht sind, dass sie Hänsel und Gretel abnehmen können beim Naschen. Nach der Vorstellung befestigt ihr sie wieder am Haus. Vergeßt nicht funktionierende Türen, es könnte bei der Aufführung sonst leicht zu ungewollten Lachern kommen.
 
Ein toller Effekt ist, wenn ihr in den Backofen auf der Bühne eine Lampe installiert und einen kleinen Tischventilator. Dazu klebt ihr viele Streifen aus rotem und gelben Kreppapier, einige wenige grüne, blaue und braune Streifen dazwischen. Wird die Tür geöffnet, stellt ihr den Strom für Lampe und Ventilator an und schon entfacht ihr ein Feuer in eurem Ofen. Baut diese Vorrichtung so ein, dass die Hexe nicht darauf fällt, wenn sie Hänsel in den Backofen stößt. Sonst ist die Verletzungsgefahr zu groß und ihr müsst auf diesen Effekt verzichten. Lampen werden heiß. Daher sichert ihr sie ab und achtet darauf, daß sie eure Hexe nicht berühren kann. Hexenverbrennungen sind heutzutage nämlich out.
 
Ihr pflegt und bewahrt die Kulissen. Denn wer sich soviel Arbeit mit einem Theaterstück macht, will es bestimmt nicht nur einmal aufführen.
 
Während der Aufführung lauert auf euch noch eine sehr sportliche Aufgabe: ihr wechselt die Bühnenbilder für die nächste Szene. Und das muss sehr rasant geschehen. Die Lieder in dem Theaterstück erfüllen nämlich einen zusätzlichen Zweck: sie geben euch die Zeit für den Bühnenumbau, ohne dass die Zuschauer minutenlang auf einen Vorhang starren und nichts passiert. Daher der Tip mit den Laken! Ihr braucht Kulissen, die schnellstens austauschbar sind. Und ihr müsst den Bühnenumbau zig Mal üben, bis alles hundertprozentig klappt und ihr in der Zeit der Lieder bleibt. Wenn ihr es nicht schafft, dann seht euch rechtzeitig nach Verstärkung um und gewinnt weitere Kinder als Kulissenbauer.
 
Zubehörverwalter
 
Ihr kümmert euch darum, dass alles, was man für dieses Theaterstück benötigt, vorhanden ist. Ihr beratet bei den Proben, welches Zubehör zur jeweiligen Szene gehört, zum Beispiel Tisch und Stühle im Pfefferkuchenhaus, Möbel im Holzfällerhaus, Teetasse, Kerzenhalter, Reisig, Reisebündel etc. Die Beschaffung der benötigten Sachen obliegt euch, was ein gewisses Organisationstalent erfordert. Doch bitte: Fragt erstmal euren Opa, bevor ihr ihm seine Gartenbank unter dem Allerwertesten wegzieht. Denkt an das 9.Bild: „Einfach nehmen heißt stehlen und stehlen ist schlecht.“.
 
Feuer gehört niemals auf eine Bühne. Für die Szene mit Hänsel und Gretel am Lagerfeuer klebt ihr beispielsweise batteriebetriebene Lampionkerzen vom letzten Laternenumzug oder eine Weihnachtsbaumkette mit Minilichtern an das Reisig, die der Vater einschaltet, wenn er so tut, als würde er das Feuer entzünden.
 
Ihr verliert nie die Übersicht, was in welcher Szene auf die Bühne gehört und wohin. Die Maler tragen die Verantwortung für die Bühnenbauten, ihr für die richtigen Möbel und Gegenstände. Zusammen sorgt ihr für das entsprechende Bühnenbild.
 
Auch hier lautet die Devise: ohne Fleiß keinen Preis. Also solange probieren, bis jeder Handgriff sitzt. Denn wenn das Hexlein im 10. Bild Tee trinken sollte, nützt ihr der Brotkanten aus dem 3. Bild wenig. Die Schauspieler sind auf euch angewiesen und verlassen sich auf euch. Wenn sie sich erst ihre Sachen für das nächste Bild selber zusammensuchen, fehlt ihnen die Zeit, sich auf ihre Rolle vorzubereiten und einzustellen und es entsteht ein heilloses Chaos.
 
Ein guter Rat: hängt euch während der Vorstellungen einen großen Zubehörplan an den Bühneneingang. Da eure Zeit genauso begrenzt ist wie bei den Malern, legt gleich fest, wer was von der Bühne mitnimmt und gleichzeitig hinbringt. Unnütze Wege erzeugen Hektik und die könnt ihr bei einer Aufführung am Allerwenigsten gebrauchen.
 
Techniker
 
Ihr rückt die Aufführungen in das rechte Licht. Dazu muss man natürlich herausfinden, was lichtmäßig machbar ist. Wann wird der Lichtkegel auf den Erzähler gelenkt, wann erscheint gedämpftes Licht, wann erstrahlt die gesamte Bühne hell usw.
 
Es ist eine Kunst, nicht nur für die ausreichende Helligkeit zu sorgen, sondern auch dabei zu beachten, dass niemand geblendet wird. Wie streiten sich beispielsweise die Eltern überzeugend, wenn sie sich ständig die Hände über die Augen halten, weil sie sich sonst einander nicht sehen könnten?
 
Mit Licht erzielt man tolle Effekte. Wenn beispielsweise das Licht auf der Bühne wild in unterschiedlichen Farben flackert, wenn Hänsel das Hexlein in den Backofen schubst,  wird die Dramatik der Szene wirkungsvoll unterstrichen. Ein Lichternetz mit Minikerzen, wie es zur Weihnachtszeit verkauft wird, unter der Bühnendecke angebracht, symbolisiert hervorragend den Sternenhimmel, wenn Hänsel und Gretel nachts im Walde sitzen oder der Mond singend über die Bühne schreitet.
 
Neben Phantasie benötigt auch ihr Organisationstalent, wenn ihr über keine vorhandene Lichtanlage verfügt. Dann sollte euch das Kunststück gelingen, geeignete Lichtquellen zu finden und sie unter Umständen als Scheinwerfer umzubauen.
 
Und zwar am besten so, dass sie während der Proben oder Aufführung nicht abbrennen und keine Kurzschlüsse verursachen. Daher wäre ein wenig Ahnung von Strom und technisches Verständnis sehr angenehm. Lasst euch im Zweifelsfalle beraten, ganz besonders darüber, was die Sicherheit eurer Anlage betrifft. Einen sachkundigen Ansprechpartner findet ihr bei eurer Jugendfeuerwehr. Da bei größeren Veranstaltungen sowieso jemand von der Feuerwehr anwesend sein muss, könnt ihr das bei dieser Gelegenheit gleich mitansprechen.
 
Kostümmacher
 
Ihr kümmert euch um Entwurf und Organisation der Kostüme. Hilfreich ist es, wenn wenigstens einer von euch etwas nähen kann. Während der Aufführung legt ihr die richtigen Kostüme für das entsprechende Szenenbild bereit und seid den Darstellern beim Umziehen behilflich. Nach jeder Vorstellung kontrolliert ihr die Kostüme auf Schäden, flickt sie eventuell, wascht oder bügelt sie auf und verwahrt sie bis zur nächsten Vorstellung.
 
Macht euch keine unnütze Arbeit. Seht ersteinmal in euren Schränken nach, was bereits fertig ist und verwandt werden kann. Da hängt vielleicht das ungeliebte farbenfrohe Dirndlkleid, was der Gretel oder der Hexe passt. Ihr mögt vielleicht sonst nicht in diesem Fummel herumlaufen, doch nun wird es doch noch nützlich und ihr ärgert euch nicht mehr darüber, dass es soviel wie eine ultramoderne Schlagjeans kostete, die ihr viel lieber haben wolltet. Und die alberne dämliche Kniebundhose wandert mit Freuden in die Kostümkiste und du brauchst sie während der Theaterzeit nicht mehr zu tragen. Ein abgelegtes weißes Oberhemd vom Papa muss für Hänsel nur noch an den Armen gekürzt werden und ein Kopftuch eignet sich für ihn als Schärpe. Ein Kind ging vielleicht zum letzten Fasching als Katze verkleidet und hat noch die Kappe mit den Katzenohren und Schwanz. Na, dann seid ihr fein heraus.
 
Mit den Kostümen der Baumkinder habt ihr reichlich zu tun. Auch mit den zerlumpten Kleidungsstücken der Eltern, Hänsel und Gretel. Für das Vögelchen und Entchen näht ihr weiße Kappen und befestigt weiße Federn oder weißen Filz in Federform daran. Der Ente schneidert ihr einen großen weißen, dem Mond einen blauen Umhang.
 
Eine Kappe zu nähen ist ganz einfach: ihr messt vom Mittelscheitel bis zum Unterkieferknochen, rechnet zwei Zentimeter zu und nehmt das Ganze mal zwei. Dann nehmt ihr Maß vom äußeren Augenwinkel bis zum Mittelscheitel des Hinterkopfes. In der Mitte falten, mit zweimaligen Umschlag unten einen hohlen Saum bilden, Kordel durchziehen und fertig. Nun könnt ihr Federn oder Zweige aus Filz aufnähen.   
 
  
 
Entweder heftet ihr auf den Mondumhang Sterne oder habt unter Umständen blauen Stoff, auf dem Sterne aufgedruckt sind.
 
Aus goldenem Alupapier, also woraus ihr zu Weihnachten Sterne bastelt, schneidet ihr vier gleichgroße Mondhälften aus und aus Gründen der Stabilität aus Pappe noch einmal zwei. Die Pappe wird nun beidseitig mit den goldenen Mondhälften beklebt. Nun passt ihr dem Kopf des Kindes, dass den Mond spielt, aus gerade noch biegsamer, haltbarer Pappe einen Ring für den Kopf an. Das ist euer Grundgestell, an dem ihr rechts und links die Mondhälften befestigt. Einfacher wäre es natürlich, die Mondhälften an einen Karton zu kleben, den sich das Kind dann über den Kopf stülpt. Aber Vorsicht! Der Mond muss singen und der Gesang klänge eigenartig, wenn der Kopf in einem Karton steckt.
 
Ein Umhang ist noch simpler herzustellen wie eine Kappe: die Größe des Darstellers  bestimmt die Länge. Je breiter der Stoff, umso schöner fällt der Umhang. Oben am Hals bildet ihr einen hohlen Saum wie unten an der Kappe und zieht ebenfalls eine Kordel durch. Benutzt beim Zuschneiden der Stoffe eine Zickzackschere. So erspart ihr euch das Zickeln der Stoffe und der Stoff franst trotzdem nicht aus.
 
 
Strumpfhosen hat fast jedes Kind und eignen sich bestens für Kostüme. Die Ente und der Vogel brauchen weiße, Kassandra eine schwarze und die Baumkinder braune Strumpfhosen. Sammelt sämtliche Strumpfhosen ein, die benötigt werden, damit sie eure Darsteller nicht vergessen mitzubringen. Für das Vögelchen beschafft ihr ein langärmliges weißes, für die Katze ein langärmliges schwarzes T-shirt oder Gymnastikanzug und für die Bäume langärmlige braune T-Shirts. Auf den braunen T-Shirts werden aus grünem Filz Blätter oder Nadelwerk in Form von Tannenzweigen aufgenäht.
 
Gerade für die Tänzer müssen die Kostüme sehr stabil sein, damit sie sich frei bewegen können. Macht lieber doppelte Nähte. Als Schuhwerk tragen sie Gymnastik- oder Ballettschuhe. Ebenso Kassandra, aber in schwarz.
 
Eltern und Hänsel und Gretel laufen zunächst barfuß. Für die Hexe, später auch Hänsel und Gretel, braucht ihr Holzschuhe. Da eignen sich am besten die brandenburgischen oder mecklenburgischen Holzklotschen. Sie sind leicht, superbequem und preiswert. Vielleicht verbringt ihr in Brandenburg oder Mecklenburg an den unzähligen Badeseen euren Urlaub und könnt sie selber mitbringen oder ihr kennt jemanden, der sie euch besorgen kann. Nicht die Schuhgrößenangabe vergessen. Denkt auch an die Kostüme für die Doppelbesetzungen.
 
Um den Erzähler und die Alltagskinder braucht ihr euch nicht zu kümmern, denn sie treten so auf, wie sie immer herumlaufen.
 
Maskenbildner
 
Ihr übernehmt die Schminkerei der Darsteller. Das Schminken muss sorgfältig geübt werden, denn die Darsteller sollten in jeder Vorstellung gleich aussehen. Fertigt Skizzen, damit ihr stets das gleiche Resultat erzielt.
 
Vor dem Schminken die Haut immer durch eine Hautcreme schützen. Zuerst das Gesicht studieren und die natürlichen Linien quasi als Hilfslinien nutzen. Die großen Schminkflächen als Erstes auftragen. Fertig ist die Katze mit weißer Theaterschminke und einem schwarzen Kajalstift. Nun etwas für Geübtere! Dazu braucht ihr drei Farben der gleichen Firma, damit ihr mischen könnt: weiß, schwarz und rot. Kräftigere und feine Linien bedecken langsam sämtliche Flächen im Gesicht. Zum Schluß wischt ihr mit dem Finger oder einem Schwämmchen leicht so lange darüber, bis die harten Konturen verschwinden. Miau!
 
Denkt daran, dass im Scheinwerferlicht Schminke immer blasser als sonst wirkt. Es muss also ziemlich kräftig geschminkt werden. Orientiert euch mit der Schminke an die Gegebenheiten des Gesichtes, so wirkt die Maske echter. Seid aber mit Make up und Puder vorsichtig. Zu dick aufgetragen machen sie die Gesichter leblos und die Mimik geht verloren.
 
Sämtliche Kinder auf der Bühne, auch die Alltagskinder, sollten etwas die Augen und Lippen geschminkt bekommen, um ihren Gesichtsausdruck zu verstärken.
 
Mit etwas grauer und brauner Farbe verschwinden bei den Eltern allzu üppige Wangen und erscheinen elend und verhungert. Mit braunem Kajalstift, leicht verwischt, trägt die Mutter tiefe Sorgenfalten im Gesicht. Euer Freund verwandelt sich mit Bart in einen erwachsenen Mann, dem man den Vater abnimmt. Ein wenig Puder läßt Hänsel und Gretel erbleichen, die mit Rouge urplötzlich gesund und munter aussehen. Eine besondere Herausforderung ist natürlich das Schminken der Kassandra.
 
         
         
 
Achtet beim Kauf der Schminke darauf, dass es eine gute und hautverträgliche Theaterschminke ist, auch, wenn sie mehr kostet. Meidet unbedingt die billige Faschingsschminke. Sie zerläuft und verwischt zu leicht und lässt sich nicht gut verarbeiten. Von schlechter Schminke könnt ihr außerdem eine juckende oder brennende Gesichtshaut bekommen und im schlimmsten Fall einen Ausschlag. Geiz ist geil - aber nicht bei der Schminke.
 
Ihr benötigt einen Transparenzpuder, um die Schminke wischfest zu machen und um zu verhindern, dass sie glänzt. Und damit die Darsteller nicht eine Woche lang mit den Schminkresten herumlaufen, schafft ihr entweder einen großen Topf Vaseline und viele Tempos oder Kosmetiktücher oder von Penaten die Babyölpflegetücher zum Abschminken an. Achtet beim Abschminken darauf, dass ihr gründlichst alle Schminkreste entfernt, denn auch die beste Theaterschminke reizt die Haut. Wascht euer Gesicht am Aufführungstag und die nächsten Tage möglichst nur mit klarem Wasser ohne Seife, damit sich die Haut wieder erholen kann, schließlich besitzt ihr nur diese eine.
 
Werber
 
Ohne Werbung und Öffentlichkeit läuft nichts. Du hast gute PC-Kenntnisse, kannst eventuell auch mit einem Grafikprogramm, einer Textverarbeitung und einem Scanner umgehen? Dann bist du für diesen Job wie geschaffen.
 
Du machst für die Vorstellungen Plakate und sorgst dafür, dass sie ausgehangen werden. Die kleineren Geschäfte der Umgebung hängen sie gerne in ihre Türen, vorrausgesetzt, man bittet sie darum. Plakate können aber auch in andere Schulen, Freizeitvereine, Kindergärten etc geschickt oder gebracht werden. Irgendwo Plakate ungefragt hinkleistern ist unter Umständen eine Sachbeschädigung und verdammt teuer. Lass es! Solltest du dir nicht zutrauen, ein eigenes Plakat zu gestalten, dann klaue einfach. Nimm das Titelblatt, scanne es ein und radiere aus, was dich stört. Dann setzt du eure Mitteilungen ein und schon hast du dein eigenes Plakat.
 
 
Auf dein Plakat gehört unbedingt der Name eurer Theatergruppe, damit die Leute wissen, mit wem sie es zu tun haben, der Ort, wo ihr das Stück aufführt, das genaue Datum der Vorstellung, Spielbeginn und möglichst auch der Eintrittspreis. Vergisst du nur eine dieser Informationen, kann das fatale Folgen haben.
 
 
Ferner gestaltest du die Eintrittskarten und vielleicht auch ein kleines Programmheft. Dafür müsstest du fotografieren können, um Fotos von euch und euren Szenen in das Programmheft aufzunehmen. In dem Programmheft schilderst du in wenigen Worten das Theaterstück und stellst eure Gruppe und die einzelnen Mitglieder vor. Hier passen auch Berichte zur Entstehung und den Proben hinein. Für die Zuschauer ist so ein Programmheft, liebevoll gestaltet mit vielen Fotografien von euch, ein willkommenes Andenken. So nerven sie auch weniger während der Aufführung durch ihre Blitzlichter. Da es während der Vorstellungen relativ preiswert verkauft wird, kommt das Geld für die Herstellung wieder hinein. Die Programmhefte setzt du in DinA 5 Doppelseite, druckst sie auf deinem PC-Drucker beidseitig aus, in der Mitte falten, mit einem Klammeraffen tackern und fertig ist dein Heft.
 
Außerdem sprichst du die örtlichen Zeitungen an und weist sie auf euer Theaterprojekt hin. Zur Generalprobe, also die letzte große Gesamtprobe vor der Aufführung, lädst du die Reporter eurer Tageszeitungen ein, damit sie darüber berichten. Pass auf, dass eure Aufführungstermine stets rechtzeitig in den Veranstaltungshinweisen eurer örtlichen und umliegenden Zeitungen erscheinen. Denke nicht nur an die Tageszeitungen, sondern auch an die wöchentlich erscheinenen Blätter, also die Anzeigenblättchen, die einmal pro Woche kostenlos in eurem Briefkasten liegen. Anschriften und Telefonnummern findest du in den Zeitungen unter dem sogenannten Impressum.
 
Rufe auch die regionalen Radiosender an und stelle dort eure Theatergruppe vor. Denn sie verbreiten ebenfalls Veranstaltungshinweise und berichten gerne über Ereignisse in ihrer Gegend.
 
An deinem Einsatz und Fähigkeiten liegt es, ob ihr vor Oma, Opa und Mama spielt oder vor einem großen Publikum. Der noch so geniale Künstler dümpelt still in seinem Kämmerlein vor sich her, wenn ihn niemand kennt.
 
Geldverwalter
 
Du bist das Kind, dass einige mathematische Fähigkeiten, Organisationstalent und ein Gespür für bisher unbekannte Geldquellen besitzt. Es gibt leider nichts umsonst. Anfangs seid ihr darauf angewiesen, Oma, Opa, Eltern oder Tanten anzupumpen oder euer Taschengeld zu plündern.
 
Doch pfiffig fragst du auch mal bei Geschäften, Versicherungen, Banken und anderen Gewerbetreibenden nach, ob sie mit einer Spende helfen. Dafür bedankt ihr euch für gezahlte Spenden, die ihr nicht zurückzahlen müsst, auf den Plakaten, in den Programmheften oder auf einer Sponsorenliste am Veranstaltungsort.
 
Als Geldverwalter führst du ein Heft und schreibst genau auf, welche Ausgaben ihr habt, meinetwegen für Farbe, Schminke, Stoffe, Papier usw, usw. Genauso notierst du die Einnahmen, sei es Geldspenden, Sachspenden, Eintrittsgelder oder ähnliches. Dir fehlt nie der Überblick über eure Finanzen und kein Euro entgeht dir.
 
Wenn ihr einen geeigneten Aufführungsort gefunden habt, informierst du dich sehr genau, zu welchen Bedingungen ihr ihn bekommt, denn für entsprechende Veranstaltungsräume muss man häufig Miete entrichten oder für Heizung und Strom bezahlen. Feilschen ist nicht erlaubt, sondern zwingend notwendig. Drücke auf die Tränendrüse und verweise auf eurer Engagement.
 
Endlich zur ersehnten Aufführung kassiert ihr ein angebrachtes Eintrittsgeld. Diese Einkünfte führst du ebenfalls in dem Heft auf. Vielleicht wirbst du noch Kinder, die euch mit Kuchen backen und Kaffee und Tee kochen unterstützen und in den Pausen an die Zuschauer verkaufen. Kaffee und Kuchenzutaten müssen zwar erstmal verauslagt werden, aber beim Verkauf kommt auch wieder Geld rein. Kalkuliere Preise so, dass ein Gewinn abfällt, doch nicht zu hoch, denn sonst bleibt ihr darauf sitzen.
 
Gaststätten, Fleischer, Getränkeläden, Bäckereien, Brauereien und dergleichen spenden manchmal ihre Produkte, schenken also beispielsweise Getränke, Kuchen oder Würstchen. Natürlich erwähnt ihr diese Spender ebenfalls dankend. Macht ihr nämlich ihre Spende öffentlich, haben sie auch etwas davon: preiswerte Werbung für ihre Geschäfte oder Betriebe. Da wächst die Spendenbereitschaft oft sprunghaft.
 
Auch Baumärkte oder Handwerksbetriebe könnten nach Farben gefragt werden oder der Kurzwarenladen nach Stoffen, Stoffresten oder Nähutensilien. Immer erst gucken, was man umsonst bekommt, bevor Geld ausgegeben wird.
 
Jede Anschaffung sollte gründlichst überlegt werden und im Zweifelsfalle ist Geiz nicht verkehrt. Sonst scheitert ihr am fehlenden Geld, bevor ihr euer Talent für das Theaterspiel beweisen könnt. Und dafür bist allein du verantwortlich. Je korrekter du deine Aufgabe erfüllst, umso größer wird die Wahrscheinlichkeit für euren Erfolg.
 
Die ersten Geldüberschüsse gibst du zuerst an die Kinder, Omas, Opas, Eltern oder Tanten, die in deinem Heft notiert anfangs Geld vorstreckten.
 
Dann berechnest du, wieviel Geld ihr für die nächste Aufführung braucht und legst es zurück. Überlege, ob du nicht auf der Bank ein Konto mit Hilfe der Eltern errichtest, um das Geld sicher zu deponieren.
 
Du bist ein besonders fähiger Geldverwalter, wenn ihr bald von eurem ersten selbsterspielten, selbsterarbeiteten Geld in der Eisdiele feiert.
 
 
Mmmmmmmmh!
 
Berater:
 
Ihr fühlt euch mit irgendwelchen Sachen überfordert? Sucht euch Erwachsene als Berater. Aber nicht solche, die alles besser wissen, bestimmen und gängeln. Dann verliert ihr bald die Lust und den Spaß am Theaterspiel. Wählt Erwachsene, denen man anmerkt, dass sie gerne mit Kindern zusammen sind und die auch für Theater schwärmen. Sie hören eure Ideen und Vorstellungen an und arbeiten mit euch zusammen. Es ist euer Theaterstück. Ich schrieb das Stück für Hedya, Heiko, Hjllmar, Helge, Gianna, Vivi, Vito, David, Carl-David, Maria-Elisa, Adrian, Phillip, Christian, Magda, Jördys, Mathilda, Steffi, Nadja, Arnika, Steffen, Svenja, Judith, Maria-Elena, Bianca und andere tolle Kinder und nicht für Erwachsene, die sich zu wichtig nehmen.
 
Bevor ihr jedoch mit eurer Theatergruppe scheitert, weil ihr einfach irgendetwas nicht hinbekommt, wäre es ausgesprochen dumm und verbohrt, wenn ihr euch keinen Beistand holt. Dann sucht euch Erwachsene, die zu euch passen, aber gebt nie die Verantwortung für eure Gruppe ab. Klärt aber vorher die Angelegenheit mit allen Kindern, nicht dass Streit ausbricht, weil einige Kinder enttäuscht sind, es nicht doch ganz alleine zu schaffen.
 
Merken Erwachsene, daß ihr richtig ernsthaft bei der Sache seid, lassen sie sich nicht lange um Unterstützung bitten.
 
Falls ein Kind einen Papa hat, der seine Stichsäge am liebsten mit ins Bett nehmen würde, dann lasst ihm die Freude, wenn er euch ein ordentliches Pfefferkuchenhaus und Backofen aus Sperrholz baut (es darf auch ruhig die heimwerkerbegeisterte Mama sein). Die Handarbeitslehrerin fühlt sich vielleicht geehrt, wenn ihr sie fragt, wie man das am besten nähen kann (endlich hat mal jemand an ihrem Fach echtes Interesse). Unter Umständen strotzt die Ballettlehrerin vor guten Ideen, wie man den Wald in Bewegung bekommt oder die Musiklehrerin hilft beim Einstudieren der Lieder? Lehnt Hilfe ab, doch nie eine wohlgemeinte Unterstützung. Einige Erwachsene haben wirklich Ahnung und könnten euch daher sehr nützlich sein.
 
Lasst sie es aber nicht ständig fühlen, dass sie nur Erwachsene sind. Schließlich waren sie auch mal Kinder. Es entspräche der Fairniss, wenn ihr eure Berater als Dank in die Eisdiele mitnehmt.
 
Und noch etwas:
 
Während der Vorstellungen wird prinzipiell nicht von der Bühne gewunken. Die Oma hat euch auch so gesehen. Diese Winkerei zeigt nur, dass ihr nicht bei der Sache seid und euch selber nicht ernst nehmt. So stellt ihr euch als ein wenig minderbemittelt dar.
 
Hinter der Bühne herrscht absolute Ruhe. Eure Mitspieler könnten sich sonst nicht konzentrieren und würden sich verhaspeln. Ihr möchtet mit eurer Leistung anerkannt werden. Also zeugt euren Mitstreitern auch diese Anerkennung und hört und seht ihnen zu. Es ist eine glatte Missachtung, wenn sich auf der Bühne zwei Akteure bemühen und der Rest hinter dem Vorhang herumalbert und -schnattert. Nicht diese beiden Kinder zeigen ihre Unzulänglichkeit sondern die Störer.
 
Theater ist so etwas wie ein Mannschaftssport: die Einzelleistungen sind wichtig, doch das Ziel wird nur erreicht, wenn alle mitziehen.
 
Dem besten Stürmer nützt das perfekteste Dribbling nichts, wenn die Mittelfeldspieler sich nicht die Bälle erkämpfen und ihm zuflanken. Ohne Ball dribbeln bei ihm dann auch nur noch die Daumen. Der tollste Rennfahrer verlöre jedes Rennen, wenn seine Crew drei Stunden benötigt, um das Auto beim Boxenstop vollzutanken. Ungerechterweise stehen immer nur die sogenannten Superstars auf dem Podest und nicht die, die im Hintergrund dafür sorgten, den Sieg zu ermöglichen.
 
Wird bei euch ein Kind beklatscht, weil es ein besonders großartiges Talent zur Schauspielerei besitzt und seine Rolle hervorragend meistert, neidet ihm nicht den Erfolg. Denn sein Erfolg fällt auf die gesamte Gruppe zurück. Und dem so erfolgreichem Kind empfehle ich, bevor du dir irgendwelche Starallüren in den Kopf setzt, stets daran zu denken, wer dir zu deinem Erfolgserlebnis verhalf: deine Gruppe.
 
Seid ein gutes Team. Dann traue ich euch fest zu, dass ihr bestes Theater von Kindern für Kinder auf die Beine stellt. Ein Kindertheater, dass sich die Großen, nicht nur pflichtgemäß, gerne ansehen.
 
Wenn mehr Kinder euer Theater verlassen wie hereingekommen sind, weil einige Erwachsene wieder wissen, wie sie sich als Kinder fühlten und wie sie dachten, dann habt ihr gewonnen. Dann freue ich mich, das Kind mit dem alten Kopf, für euch und mich.
 
 
 
 
 
Allgemeine Bemerkungen zum Dialekt
 
 
An der Nordsee sieht Deutschland ganz anders aus wie am Bodensee. Wenn sich  Pfälzer Kinder über Schnee freuen, weil sie endlich wieder ihre Abfahrtski herausholen können, würde das in der platten Prignitz wenig Sinn machen. Schwäbische Kinder suchen nach einem Sturm keinen Strand nach angespültem Bernstein ab und die Kinder aus dem Harz setzen nicht unbedingt ein Segelboot ganz oben auf ihre Wunschliste. Die Kinder in Flossenbürg entzünden oben auf dem Berg vor der mittelalterlichen Burgruine das riesige Johannisfeuer, während die Kyritzer Kinder voller Vorfreude das Schmücken ihrer Ruder- und Paddelboote für das Neptunfest planen.
 
So unterschiedlich deutsche Landschaften sind, so unterschiedlich sind auch Bräuche und Sprache in den verschiedenen Regionen. Das ist auch gut so, denn sonst wäre unser Land ganz schön fade. Wenn meine Kollegin aus der Oberpfalz mir ganz in Gedanken etwas erzählt, bemerkt sie bald an meinem verdutzten Gesicht, dass ich kein Wort verstanden habe. Allerdings versteht sie mich genausowenig, wenn ich gedankenlos auf sie einrede. Für unsere Arbeit ist eine Verständigung unvermeidbar. Also sprechen wir etwas langsamer und hochdeutsch. Denn trotz unserer andersartigen Ausdrucksweise mögen wir uns und arbeiten gerne zusammen.
 
Die hochdeutsche Sprache ermöglicht es also, dass alle Menschen in Deutschland sich miteinander unterhalten können. Jetzt denkt ihr vielleicht, dass es dann doch besser sei, gleich alle Dialekte abzuschaffen und nur noch die hochdeutsche Sprache zu pflegen. Nicht unbedingt!
 
Denn der Dialekt wurde vom Lebensgefühl vieler Menschen geprägt, von den  Landschaften, von ihren Nachbarn, von Zugezogenen und von ihrer Geschichte. Dialekt bedeutet Heimat, Vertrautheit, Geborgenheit, aber auch Offenheit.
 
Dumme Leute streiten darum, welcher Dialekt der beste wäre und betrachten verächtlich Mitmenschen, die eine andere Mundart haben. Sie versuchen zu beweisen, daß die Anderen keinen Dialekt sprächen, sondern einen Slang oder einen Gassenjargon, also eine angeblich schlechtere und natürlich falsche Alltagssprache. Mitmenschen werden ausgegrenzt, indem man absichtlich so schnell und undeutlich wie möglich in seinem Dialekt daher redet, um ihnen klar zu machen: haut ab, hier gehört ihr nicht her. Lasst solche Leute nur plappern, ihr braucht sie nicht zu verstehen, denn sie haben sowieso nichts zu sagen. Das sind die Hohlköpfe, die nie etwas voneinander lernen und laut jubelnd in den nächsten Krieg ziehen würden, aber nicht um ihre Heimat, sondern um ihre Vorurteile, Rechthaberei und Engstirnigkeit zu verteidigen. Sie lieben ihre Heimat nicht, denn sonst wüssten sie, dass andere Menschen genauso ihre Heimat und ihren Dialekt lieben und dass wir alle in einem kleinen Teil des gleichen großen Landes leben, so wie unser Land ein ganz kleiner Teil unserer Erde ist.
 
Jeder Dialekt klingt liebenswert, denn unser Land ist überall reizvoll und in allen Landesteilen kann man freundliche Menschen treffen. Und je mehr das Fernsehen und die Zeitungen unsere Sprache landesweit vereinheitlichen, umso mehr sollten wir aufpassen, dass wir dabei unsere Dialekte, ein Stück unserer Heimat, ein Stück unserer Geschichte und unserer Persönlichkeit nicht verlieren.
 
Zuneigung kennt keine Sprachgrenzen, nicht einmal bei den Fremdsprachen, denn im Notfall besitzen wir noch Hände und Füße. Und unsere Augen teilen sich oft genug  ehrlicher mit als der Mund. Aber dennoch finde ich meine Sprache viel zu schön, als dass ich "min Jörn" gegen englische Zicklein eintauschen würde.
 
 
Anleitung zum Umgang mit den mundartlichen Texten
 
 
Manchmal ist es entschieden besser, etwas in seiner Mundart auszudrücken, weil die Umgangssprache lockerer, spontaner und freier ist und damit glaubhafter. In diesem Märchen erhält der Dialekt noch dadurch ein besonderes Gewicht, weil er Heutiges und Vergangenes deutlich voneinander trennt. Deshalb führen die Kinder beim Erzähler ihre Gespräche in ihrer alltäglichen Sprache. Allerdings habt ihr, wenn ihr aus einer anderen Gegend kommt, mit dieser Sprache ein echtes Problem.
 
Es würde überhaupt keinen Sinn machen, wenn ihr versucht, diesen Dialekt nachzuäffen. Das scheitert bereits im Ansatz am Sprachklang und der Satzmelodie, was nämlich nicht notierbar ist. Eure Wörter, eure Sätze erschienen dann nicht mehr leicht hingeworfen, sondern verkrampft, aufgesetzt und wenig überzeugend. Deshalb biete ich euch eine hochdeutsche Fassung der Texte an. Lest sie euch durch und überlegt, wie ihr es in eurer Umgangssprache sagen würdet, also in der Sprache, die ihr in der Freizeit mit Freundinnen und Freunden benutzt. Genau so schreibt ihr dann die neuen Sätze auf und nicht, wie es in der hochdeutschen Sprache üblich wäre oder wie es die Erwachsenen sagen würden. Diese selbstverfassten Sätze werden nun ausgeschnitten und über die entsprechenden Textstellen geklebt. Jetzt könnt ihr anfangen, eure Rollen zu lernen und habt sogar sprachlich in eurem Stück etwas ganz Eigenes. Ich würde mich freuen, wenn ihr mir eure Fassung zuschicken würdet, denn es interessiert mich brennend, wie es sich woanders anhört.
 
Der Erzähler sollte aber in der hochdeutschen Sprache bleiben. Erstens liest er das Märchen hochdeutsch vor und zweitens verkörpert er die Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart.
 
 
Die hochdeutsche Übersetzung der mundartlichen Texte
 
1. Bild
 
Kind:
 
Mann, ist das hier alles langweilig.
 
Kind:
 
Gehe doch hinaus zum Fußballspielen.
 
Kind:
 
Nein, dazu habe ich keine Lust.
 
Kind:
 
Vielleicht gibt es etwas Spannendes im Fernsehen?
 
Kind:
 
Nein, das Fernsehprogramm ist öde.
 
Erzähler:
 
Na, ihr Langweiler! Ihr wisst wohl wieder gar nichts mit  euch anzufangen!
 
Kind:
 
Kannst du uns nicht eine Geschichte vorlesen?
 
Kind:
 
Au ja – oder ein Märchen?
 
Erzähler:
 
Gut! Wie wäre es mit „Hänsel und Gretel“?
 
Kind:
 
Oh Gott, das ist doch eine alte Kamelle.
 
Kind:
 
Das ist etwas für Babys oder Hirnamputierte.
 
Erzähler:
 
Schade! Ich wollte euch nämlich das Märchen so erzählen, wie es sich wirklich zugetragen hat.
 
Kind:
 
Und das steht da in dem Märchenbuch?
 
Erzähler:
 
Alles ist ja nicht erlogen. Es stehen auch wahre Sachen drin.
 
Kind:
 
Na gut. Irjendwie hast du mich neugierig gemacht.
 
Kind:
 
Fang an!
 
 
7. Bild
 
Kind:
 
Au wei, ist die Zeit vergangen. Meine Mutter wartet mit dem Essen. Da kennt sie keinen Spaß.
 
Kind:
 
Ich müsste auch schon zu Hause sein. Aber jetzt will ich auch noch das Märchen zu Ende hören. Lieber nehme ich den Krach in Kauf, als das Ende zu verpassen.
 
Erzähler:
 
So geht es nicht. Zu Hause macht man sich doch Sorgen um euch. Dann lese ich ein anderes Mal weiter.
 
Kinder:
 
Nein!
 
Kind:
 
Das wäre aber schade.
 
Kind:
 
Wenn wir ganz schnell rennen, sind wir in einer halben Stunde wieder da. Kannst du nicht eine Pause einlegen und dann weiterlesen?
 
Kind:
 
Das wäre toll! Ach bitte!
 
Erzähler:
 
Gut, ich warte, bis ihr wiederkommt und dann erfahrt ihr die zweite Hälfte des Märchens.
 
Kind:
 
Das ist doch ein Wort!
 
Kind:
 
Danke!
 
Kind:
 
Tschüß!
 
Kind:
 
Bis nachher!
 
 
8. Bild
 
Erzähler:
 
Na, da seid ihr ja wieder. Hat es geschmeckt?
 
Kind:
 
Hah – und wie! Ich wollte gerade anfangen zu mäkeln, da fiel mir Hänsel und Gretel ein: ein kleines Stück Brot für den ganzen Tag. So dick haben wir es nämlich auch nicht mehr, seitdem der Vater seine Arbeit verloren hat. Immer bin ich am schimpfen, dass es nicht das gibt, was ich am liebsten esse. Und meine Mutter ist dann böse. Da guckte sie aber, als ich ohne zu meckern aufgegessen habe. Ihre Augen wurden glatt so groß wie mein Teller.
 
Kind:
 
Gut, dass du keine Stiefmutter hast, die dich herausschmeisst, wenn nichts mehr da ist.
 
Kind:
 
Du hast wohl vorhin nicht zugehört. Putze dir deine Ohren! Das war nicht die Stiefmutter, das war der Mann.
 
Kind:
 
Aber wieso steht es im Märchen von Hänsel und Gretel ganz anders? Ich meine das Märchen, dass ich kenne.
 
Kind:
 
Weil die Märchen, die wir kennen, nun einmal so sind. Schau sie dir doch einmal an: die guten Frauen sind stets alles Blondinen, die auf ihren Mantafahrer warten.
 
Kind:
 
Schneewittchen: hübsch, aber blöd! Zweimal warnten die Zwerge sie, aber prompt fällt sie ein drittes Mal auf die Alte herein.
 
Kind:
 
Dornröschen: ersteinmal musste der Vater sie zu ihrem Glück zwingen und den glitschigen Frosch aufnehmen. Aäh – und dann küsst sie ihn auch noch. Iiigitt!
 
Kind:
 
Nein, das war die Tante beim Froschkönig. Aber die war auch doof und verlogen.
 
Kind:
 
Aschenputtel: lässt sich alles gefallen, schläft im Dreck. Warum kam sie nicht von alleine darauf: Schuh einpacken, auf das Schloss gehen, bitteschön, hier bin ich. Sie wusste doch, dass der Prinz sie sucht. Nein, da saß sie herum und wartete auf die Tage, die da kommen werden. Die war doch voll dämlich, die Braut. Aschenputtel – Aschendussel!
 
Kind:
 
Und wenn die Frauen etwas auf dem Kasten haben, dann sind sie widerlich und gemein. So ist es in den Märchen.
 
 .........................................
 
 
Kind:
 
Was ist eigentlich mit der uralten, fiesen, kinderfressenden Hexe bei Hänsel und Gretel?
 
Erzähler:
 
Das werden wir jetzt hören.
 
 
17. Bild
 
Erzähler:
 
Hänsel wartete  am Ufer noch lange auf sein Schwesterchen und setzte schließlich seinen Weg ohne sie fort und als er ein Weilchen fortging, da kam ihm der Wald immer bekannter und immer  bekannter vor, und endlich erblickte er von weitem seines Vaters Haus. Da fing er an zu laufen, stürzte in die Stube und fiel seinem Vater um den Hals. Die Stiefmutter aber war inzwischen gestorben. Übermütig warf Hänsel eine Handvoll Edelsteine nach der anderen aus seiner Tasche, dass sie in der Stube herumsprangen. Gretel ward bald vergessen und zunächst hatten alle Sorgen für den Vater und Hänsel ein Ende.
 
Kind:
 
Das ist ein Ding. Und was erzählten sie uns für einen Scheiß über Hänsel und Gretel.
 
Kind:
 
Das war auch keine uralte und böse Hexe?
 
Kind:
 
Nein Mensch! Das setzten doch Hänsel und sein Alter nur in die Welt, um den Mord zu vertuschen.
 
Kind:
 
Und die kleine Hexe überlebte wirklich nicht?
 
Erzähler:
 
Nein. Hänsel brachte sie um.
 
Kind:
 
So eine Sauerei! Und die Stiefmutter war auch nicht schlecht. Schließlich zog sie doch die Kinder auf.
 
Kind:
 
Woran starb sie denn?
 
Erzähler:
 
Nachdem der Vater ein zweites Mal die Kinder im Wald aussetzte, machte ihm die Stiefmutter bittere Vorwürfe. Dadurch gerieten die beiden fürchterlich in Streit. Der Vater, vom Wesen her extrem jähzornig, schlug schließlich auf sie ein. Sie verstarb nach einigen Tagen an den Folgen der Schläge.
 
Kind:
 
Und den Alten zog man nie zur Rechenschaft?
 
Erzähler:
 
Er führte die Verletzungen auf einen angeblichen Unfall zurück und sie konnte nichts mehr sagen. So kam er ungestraft davon.
 
Kind:
 
Warum verließ sie denn nicht mit den Kindern dieses Ekelpaket? Ich meine, als sie bemerkte, dass er schon wieder eine Gemeinheit ausheckt.
 
Kind:
 
Na, du bist ja vielleicht ein Seelchen. Wohin sollte sie denn hingehen? Frauenhäuser gab es damals noch nicht.
 
Kind:
 
Und was geschah mit Gretel?
 
Erzähler:
 
Sie kehrte zum Pfefferkuchenhaus zurück. Dort lebte sie in Frieden mit Kassandra. Die kleine kluge Katze brachte ihr alles bei, was sie durch die Hexe wusste. Gretel lernte fleißig und wurde schließlich selber eine Heilkundige, also eine Hexe.
 
Kind:
 
Es war ausgesprochen klug von ihr. Denn wäre sie mit Hänsel heimgekehrt und hätte die Ereignisse richtig gestellt, dann wäre der Vater und Hänsel ihr sicherlich auch noch an die Kehle gegangen.
 
Kind:
 
Aber wieso kennt man das Märchen nur so, wie es normalerweise erzählt wird?
 
Kind:
 
Na – weil der Alte und Hänsel es so darstellten, dass kein Verdacht auf sie selber fällt. Mit Sicherheit setzten sie alles daran, dass niemand die Wahrheit erfährt. Darum beförderte ja auch angeblich Gretel die Hexe ins Jenseits. So sah es dann nämlich wie Notwehr aus.
 
Kind:
 
Und wie kam es trotzdem heraus?
 
Erzähler:
 
Später setzten herzlose Eltern wieder ihre Kinder im Wald aus. Sie irrten herum, bis sie schließlich das Pfefferkuchenhäuschen fanden. Ihnen half Gretel weiter, so, wie ihr einst geholfen wurde. Die Kinder erfuhren, was wirklich geschehen war. Als sie zurückkehrten und die wahre Geschichte erzählten, wollte ihnen aber niemand glauben. Wer glaubt schon Kindern?
 
Und Hänsel und sein Vater stritten alles ab. Sie waren reiche Leute geworden - wer traut sich an solche Leute heran? Niemand hätte sich die Blöße gegeben, zuzugeben, dass er auf eine Lügengeschichte hereingefallen ist. Tja und es gab Männer, die mochten keine Geschichten hören, in denen Männer nicht die edlen Helden, sondern elende Lumpen sind.
 
Diese Männer zeigten auch keinerlei Interesse an einem Märchen, in denen Frauen, wie die Stiefmutter, als gut oder gerecht beschrieben werden. Na und Hexen musste man sowieso als schlecht darstellen. Als heil- und schriftkundige Frauen waren sie unabhängiger, den meisten Menschen überlegen und besaßen so eine gewisse Machtstellung. Sie ließen sich nicht gängeln oder bevormunden. Für die Herrschenden bedeuteten sie eine Gefahr, denn sie sagten, was sie dachten. Dadurch lebten sie anderen das vor, was man heute als Gleichberechtigung bezeichnet.
 
Kind:
 
Und die Verbrechen von Hänsel und seinem Vater blieben ungesühnt?
 
Erzähler:
 
Wie sagte Kassandra: „Hänsel, wo kein Richter, besteht doch die Klage. Wo kein Kläger, bringt es der Himmel zutage“. Oder Gretel stellte fest: „An den Steinen klebt ihr Blut, sie bringen kein Glück“. So war es auch. Durch die Edelsteine unermesslich reich geworden, verlotterten Hänsel und sein Vater zunehmend. Sie arbeiteten nicht und betranken sich tagein tagaus. Im Vollrausch gerieten sie in Streit und Hänsel erschlug seinen Vater. Diese Tat ließ sich nicht vertuschen und er wurde so für den zweiten Mord gerichtet. Hänsel und seinen Vater ereilte also doch noch ihre Strafe.
 
Kind:
 
Hänsel und Gretel! Ha! Das ist ja ein richtiger Krimi. Das Märchen müsste eher heißen:
 
Alle Kinder:
 
"Mord im Pfefferkuchenhaus".
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

 

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